Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart beim Mann. Er entsteht in der Außenschale der Prostata und führt zur Erhöhung des prostataspezifischen Antigens „PSA“. Die Erkrankung entwickelt sich sehr langsam und kann unbemerkbar bleiben und keine Beschwerden verursachen. Das ist von der Natur der Zellen des Karzinoms abhängig. Durch Zufallbefunde könnte in den seitlichen Prostatalappen bei der Untersuchung befallenes Gewebe entdeckt werden. Prostatakrebs greift auf die benachbarten Lymphknoten oder die Knochen, insbesondere Becken, Wirbelsäule und Schädel, über. Die Vorsorgeuntersuchung beinhaltet u.a. eine digitale rektale Untersuchung der Prostata durch den After und eine Ultraschall-Untersuchung, aber nicht unbedingt die Bestimmung vom PSA. Wir motivieren Männer zu einer Untersuchung, wenn sie die 40 Jahre-Altersgrenze erreicht haben. Die vom Krebs befallene Prostata hat, wenn man sie abtastet, ein hartes Areal und stellt sich mit schwachem Muster (hypodens) dar wenn sie unter Ultraschall untersucht wird. In dem Fall muss ein Teil des Gewebes mikroskopisch untersucht werden. Es sind mehrere Strategien für die Behandlung des Prostatakarzinoms vorhanden. Diese sind vom PSA Niveau und dessen jährlicher Fluktuation, dem Alter des Patienten und deren Lebensqualität, dem Typ und Stadium der Krebszellen und deren lokalen oder fernen Vorläufern und dem Gleason Score abhängig.
Bemerkungen

۞ PSA ist das prostataspezifische Antigen. Es vermittelt die Aktivität der Prostata. Es erhöht sich bei einer Entzündung, einem Trauma und bei Krebs. Die Geschwindigkeit der Änderung in einem Jahr ist von Bedeutung. Der normale Wert ist 0-4 ng/ml. Es besteht eine graue Zone da es von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.
Jedoch ist seine Erhöhungsgeschwindigkeit auf das Jahr gesehen wichtig bei der Bestimmung eines Prostatakarzinoms.

۞ Gleason Score zeigt den Grad der Aggressivität der Zellen der Prostata an. Die Aggressivität ist in Grad 1-5 unterteilt. Grad 1 ist die schwächste und Grad 5 die stärkste Aggressivität. Normalerweise ist der Gleason Score die Summe aus den 2 höchsten Graden der Aggressivität die in 2 Gewebeproben vorhanden ist. Ein Score bis 4 bringt eine gute Prognose mit sich. Ein Score von 5-6 ist der Mittelgrad. 7 ist Mittel bis aggressiv und 8-10 deutet auf eine schlechte Prognose hin.

۞ TNM Klassifikation beschreibt den Zellentyp, die Infiltration in den Lymphknoten und die ferne Siedlung. T steht für Tumor, N für Lymphknoten und M für Metastase (ferne Siedlung). T ist unterteilt in 1-4 wobei 1 besser ist als 4 und diese Nummern werden nochmal unterteilt in die Beschreibungen a-c. Man spricht dann von T1a, T1b oder T1c und so weiter. Die Nummer neben dem N steht für die Nummer der befallenen Lymphknoten und Nx oder Mx stehen für noch nicht bekannt.

Aktive Behandlung wird durchgeführt wenn:

1. PSA Wert bis 10 ng/ml.
2. Tumorstadium (TNM Klassifikation) T1c oder T1a welche folgendes bedeuten:

  • a. Ein Prostatalappen ist beteiligt.
  • b. Ein oder zwei Biopsiezylinder enthalten Krebszellen.
  • c. Weniger als 50% der Biopsiezylinder sind befallen.

3. Ein Gleason Score zwischen 2 und 6 erfordert eine präventive  Beobachtung, das bedeutet für den Patienten zu regelmäßigen Untersuchungen zu gehen, um unnötige Operationen bzw. Behandlungen zu vermeiden um die damit verbundenen Komplikationen, die möglicherweise die Lebensqualität des Patienten beeinflussen könnten, zu vermeiden. Die Maßnahmen sind:

  • Vierteljährliche PSA Wert Messung.
  • Vierteljährliche rektale digitale Untersuchung.                     Ab dem 3. Jahr:
  • Halbjährliche PSA Wert Messung.
  • Halbjährliche rektale digitale Untersuchung.
  • Alle 3-5 Jahre Biopsie der Prostata.
  • Wenn der PSA Wert sich erhöht oder innerhalb von einem Jahr verdoppelt, eine Änderung im Befund ertastet wird oder eine Änderung im Gleason Score festgestellt wird, muss die radikale Chirurgie oder Radiotherapie in Betracht gezogen werden.

Die zweite Behandlungsoption ist die Außenbündelbestrahlung. Die Indikationen sind ähnlich wie bei der radikalen Operation. Die Ergebnisse sind gut. Die meist beschriebene Komplikation ist Proktitis, d.h. Reizung des Afters, Durchfall und Tenismus. Erektile Dysfunktion wird manchmal beobachtet weil die Erektionsnerven im bestrahlten Gebiet angesiedelt sind.

Die radikale Chirurgie ist meistens die erste Wahl. Darunter versteht man die völlige Entfernung von Prostata, Samenblasen und Lymphknoten auf beiden Seiten des Beckens durch eine offene Operation über einen Zugang, entweder durch die Bauchdecke (abdominal) oder durch den Damm (perineal), was dem Gebiet zwischen Penis und After entspricht. Diese Operation empfiehlt sich, sofern der bösartige Prostatatumor frühzeitig erkannt wird. Die Operation kann sowohl die Kontinenz, als auch die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Ebenso hat sie einen Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten.

Die Hormontherapie bedeutet die Unterbindung der Produktion des männlichen Hormons Testosteron, d.h. chemische Kastration durch spritzbare Hormone. Diese Hormone werden im Körper unter die Haut gespritzt. Die Wirkung dauert 1, 3, 6 oder 12 Monate an, je nachdem welches Produkt angewandt wird. Zuerst muss eine Hormontablette genommen werden um die Nebenwirkungen des Hormons zu vermeiden. Die Nebenwirkungen sind Hitzewallungen, Brustschmerzen und Brustvergrößerung. Die Hormontherapie kann auch operativ durch Entfernung des Hodengewebes durchgeführt werden.
Die Entfernung der Hoden wird als subkapsuläre Ochiektomie bezeichnet. Darunter versteht man die Entfernung von Gewebe innerhalb des Hodens, welches Hormone produziert. Die Kapsel des Hodens (Tunica albuginea) und die Samenstrukturen (Samenstrang und Gefäße) bleiben unberührt. Die Operation wird bei Prostatakrebs durchgeführt, denn Prostatakrebs ist an das Vorhandensein des männlichen Hormons Testosteron gebunden. Testosteron wird zu 90% in den Hoden produziert. Durch die Entfernung der Hoden wird das im Blut vorhandene Testosteron zu einem beträchtlichen Maß reduziert. Das beeinflußt den Prostatakrebs erheblich.

Wenn Prostatakrebs sich unter Behandlung mit Hormontherapie weiter bereitet, ist die Behandlung mit neuen Substanzen möglich. Diese sind Medikamente wie Zytokine und Antikörper die das Immunsystem beeinflussen. Diese Medikamente haben eine effektive Wirkung auf die Zelle und den Signaltransport auf die männliche Rezeptorenebene.

Psychotherapie trägt einen wesentlichen Teil zur Genesung bei und ist in vielen Fällen sehr empfehlenswert.

Tumormetastasen im Knochen werden mit Radiotherapie und bestimmten Säuren behandelt um das erkrankte Areal zu stabilisieren und pathologische Frakturen zu hemmen. Diese können gefährlich werden und zu Lähmung und manchmal sogar zum Tode führen.

Bei Schmerzen ist es ratsam Schmerzmittel zu sich zu nehmen. Das muss nach Konsultation eines Spezialisten für Schmerztherapie geschehen. Der Grad der Schmerzen gib die Behandlungsstufe und deren Verabreichungsart vor. Das erzielt die beste Wirkung und vermeidet Komplikationen.

Radikale Prostatektomie:

Sie kommt in den Fällen in Frage, in denen der Prostatakrebs auf die Prostata beschränkt ist, d.h. die Lymphknoten des Beckens sind ebenso wenig betroffen, wie Knochen oder Leber. Der Allgemeinzustand des Patienten muss eine Operation und Narkose zulassen. Entfernung von Hodengewebe:

Alle Patienten, die an Prostatakrebs erkrankt sind, und bei denen das Krebsgewebe nicht durch eine radikale Operation entfernt werden kann, kommen für diese Operation in Frage. Unter einer radikalen Operation versteht man eine offene Operation, bei der die Prostatadrüse und deren Lymphknoten vollkommen entfernt werden.

Die radikale Prostatektomie: RadikaleProstatektomie

Sie wird in Vollnarkose durchgeführt. Der Patient liegt auf dem Rücken und der Schnitt erfolgt im Unterbauch, um so einen extraperitonealen Zugang zur Prostata zu ermöglichen, d.h. dass man die Prostata erreicht, ohne das Bauchfell verletzen zu müssen. Dann sucht man die großen Arterien und Venen des Beckens auf. In deren Umgebung befinden sich Lymphknoten, die entfernt werden und mittels eines Schnellschnitts unter dem Mikroskop histologisch beurteilt werden. Wenn Krebszellen innerhalb der Lymphknoten entdeckt werden, so wird die Operation nicht weitergeführt, sondern an Stelle dessen werden die Hoden entfernt, um so eine hormonelle Therapie durchführen zu können. Sind die Lymphknoten nicht befallen, dann wird die Operation fortgeführt, indem Prostata mit dazugehörender Kapsel unter Schonung der Nerven und Blutgefäße in unmittelbarer Nähe freipräpariert werden. Ebenso wird der Beckenboden im Bereich des Blasenhalses freipräpariert. Anschließend wird die Prostatadrüse zusammen mit Samenblasen und Samenstrang im Ganzen entfernt. Hierbei muss man sehr sorgfältig vorgehen und besondere Aufmerksamkeit auf die Prostataspitze richten, da sie auf dem Beckenboden genau dort liegt, wo sich der Muskel befindet, der für die Erhaltung der Kontinenz verantwortlich ist. Ebenfalls sehr wichtig ist die Schonung der Nerven, die entlang der Prostata verlaufen, denn diese sind für den Erhalt der Potenz sehr wichtig. Nach Entfernung der Prostata wird der Blasenhals wieder mit der Harnröhre verbunden. Anschließend erfolgt die Anlage eines Katheters durch die Bauchdecke und eines zweiten Katheters durch die Harnröhre, ferner werden Drainagen ins Becken eingebracht, die den Wundfluss durch die Bauchwand nach draußen ableiten. Dann wird das Becken untersucht, um sicher zu gehen, dass die Blutung gestillt ist und anschließend die Operationswunde Schicht für Schicht verschlossen.

 

Die Entfernung des Hodengewebes (Orchiektomie):

Hodenentfernung

Der Eingriff kann unter Lokalanästhesie durchgeführt werden. Ein Einschnitt erfolgt in der Mittellinie des Hodensacks, der Hoden wird entnommen. Die Umhüllungen und die Kapsel werden in ihrer Längsachse eingeschnitten, dann wird das Hodengewebe mit einem scharfen Löffel entfernt. Mit Hilfe von Nähten im zentralen Teil des Hodens wird eine mögliche Blutung verhindert. Dann wird die Kapsel des Hodens und dessen Umhüllungen wieder verschlossen und er wird zurück in den Hodensack gelegt. Genauso verfährt man mit der anderen Seite. Danach wird der Hodensack wieder Schicht für Schicht verschlossen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ):

Wenn der Tumor auf die Prostatadrüse beschränkt ist und keine Fernmetastasen in Lymphknoten oder anderen Organen, besonders in Leber und Knochen, vorhanden sind, ist diese Operation angebracht. Außerdem muss der Allgemeinzustand des Patienten den Eingriff zulassen und die Diagnose muss histologisch gesichert sein.
Ja, die Brachytherapie. Das ist eine neue Behandlungsmethode, die noch wissenschaftlich untersucht wird. Die neuesten Ergebnisse diesbezüglich sind ermutigend.
Dann behandelt man mittels Hormonentzug, entweder in dem man die Hoden entfernt oder durch Zugabe von Hormonanaloga mittels Spritzen, welche dann die Produktion des männlichen Hormons stoppen.
Die wichtigsten Komplikationen, die das weitere Leben beeinflussen, sind das Unvermögen den Urin zu halten (Inkontinenz) und der Verlust der Erektionsfähigkeit (Impotenz). Inkontinenz tritt nur dann auf, wenn der Tumor in der Prostataspitze lokalisiert ist und durch den Eingriff das Beckenboden und die zur Kontinenzerhaltung erforderliche Muskulatur beeinträchtigt werden. Die Nerven, die für die Erektion verantwortlich sind, verlaufen auf beiden Seiten der Drüse. Wenn diese verletzt werden, kommt es zur Impotenz.
Ja, die Implantation einer halbstarren oder hydraulischen Penisprothese stellt eine bewährte Methode dar, die eine hohe Lebensqualität garantiert.
Ja, die Empfindungen sind normal, allerdings kommt es beim Orgasmus nicht zu einer Ejakulation, da es nach Entfernung von Prostata, Samenblasen und Teilen des Samenstrangs nicht mehr zur Produktion von Samenflüssigkeit und Sperma kommt.
Wenn es nur zu einer sporadischen Inkontinenz kommt, das heißt, wenn es bloß bei plötzlichen Bewegungen zum ungewollten Abgang von Urin kommt, dann erfolgt eine physiotherapeutische oder elektrische Stimulationsbehandlung. Entsteht aber eine komplette Inkontinenz, d.h. auch im Ruhezustand kommt es zum ungewollten Abgang von Urin, dann hat man die Wahl zwischen einem „Urinkondom“ und der Implantation eines sogenannten „Scott Sphincter“.
Dies ist ein spezielles Kondom, das mit einem Katheter verbunden ist und dadurch den Urin in einem Urinbeutel mit einer speziellen Umhüllung auffängt.
Das ist ein Hilfsmittel, das aus Silikon besteht. Es wird um die Harnröhre implantiert und hat die Funktion, diese bei Unterschreitung eines bestimmten Druckes zu verschließen. Er wird über einen im Unterbauch oder zwischen den Hoden gelegenen Knopf reguliert. Wenn man den Knopf drückt, wird der Druck innerhalb des Schließmuskels (Sphincter) minimal und man kann die Blase in gewohnter Weise entleeren. Wenn man dann einen anderen Knopf drückt, schließt sich der Sphincter erneut. Er ist unauffällig, sauber und verursacht keinen unangenehmen Geruch. Es gibt noch ein anderes Harnventil, das leicht zu implantieren ist und exzellente Wirkungen hat.
Die Lebenserwartung hängt vom Stadium der Erkrankung und vom Zeitpunkt der durchgeführten Operation ab. 
Ja, wenn das PSA sich während der Benutzung nicht ändert. 
Das sind Medikamente die biochemisch in der Zelle wirken um die Produktion von Androgenen zu stoppen oder die Bindung an bestimmte Rezeptoren zu blockieren um sie unwirksam zu machen. Sie sind neu und effektiv in fortgeschrittenen Fällen und für Patienten gedacht, bei denen die Hormontherapie nicht anschlägt.
Prostatakrebs wird hauptsächlich vom männlichen Hormon Testosteron, dass hauptsächlich im Hoden gebildet wird, beeinflusst. Der Entzug dieses Hormons beeinflusst den Prostatakrebs in einem sehr hohen Maß, in einem positiven Sinne für den Patienten.
Ja, eine halbjährliche oder jährliche Spritze mit dem Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analogon (GnRH-Analogon). Eine ähnliche Substanz wie das natürliche GnRH, bringt dieselben Resultate.
Man benötigt zu Beginn monatlich/ alle 3 Monate eine Spritze. Die Behandlung ist sehr teuer. Der Effekt der Behandlung ist zwar gleich, aber die Behandlung muss im Gegensatz zu dem einmaligen ambulanten Eingriff, der nur ca. 30 Minuten dauert, ständig durchgeführt werden. Der einzige Vorteil ist die Vermeidung des Operationsrisikos, das aber sehr gering ist.
Ja, die sogenannte Brachytherapie. Diese wird aber nur bei Prostatakrebs von geringem Ausmaß und auch nur in dessen Anfangsstadium durchgeführt. Hierbei werden kleine radioaktive Strahler in die Prostata eingesetzt, die dort auf lange Sicht verbleiben.
Außer dem generellen Risiko bei diesem kleinen Eingriff wäre noch die Blutansammlung im Hoden zu nennen. Auch hat die Operation einen Einfluss auf die Potenz. Vor der Operation sollte man Medikamente einnehmen, um das unangenehme Spannungsgefühl in der Brust und deren mögliche geringfügige Vergrößerung zu vermeiden.
Man verliert die Erektionsfähigkeit und es kann zu einer minimalen Vergrößerung der Brust kommen. Sonst kann man ziemlich normal leben und hat den Vorteil, dass die hormonabhängigen Krebszellen der Prostata direkt behandelt werden.
Ja, durch die Implantation einer Penisprothese.
Die Entfernung der Hoden hat einen heilenden Einfluss auf die hormonabhängigen Krebszellen der Prostata. Es kann vorkommen, dass es nach einiger Zeit zum Wachstum von hormonunabhängigen Zellen kommt. Dann ist eine Strahlentherapie oder Chemotherapie möglich.

 

 

0 Likes
2292 Views

You may also like

Comments are closed.