Der psychologische Aspekt einer Operation

Der psychologische Aspekt einer Operation
Eine ambulante Operation stellt eine kurzfristige Stresssituation und eine Verletzung der körperlichen Unversehrtheit dar. Die Unterredung mit einem Chirurgen trägt zu einem wesentlichen Teil dazu bei, die Situation zu verstehen und sich mit ihr vertraut zu machen. Sie ist auch von großer Bedeutung, um sich selbst auf richtige Art und Weise in die Gesamtsituation einordnen zu können.
Beide Vorgänge helfen dem Patienten, sich seiner Fähigkeiten bewusst zu werden, solche Situationen bewältigen zu können und ein Konzept zu entwickeln, das in der Lage ist, mit Stress umzugehen und ihn schließlich auch zu bewältigen. Der Patient muss verstehen, dass er fähig ist, die durch die Operation bedingte Herausforderung zu bewältigen.
Die Operation an sich bedeutet nur einen kleinen Eingriff, deswegen wird sie auch ambulant durchgeführt. Bitte bedenken Sie, dass auch ein Hautkratzer oder selbst eine leichte Hautabschürfung schmerzhaft sind. Die Operationswunde führt zu vergleichbaren Schmerzen. Bei einer Operation handelt es sich um einen geplanten Eingriff und die Zugabe von Schmerzmitteln führt zu deutlicher Schmerzlinderung, bzw. zu deren völligem Verschwinden. Sollten dennoch Schmerzen entstehen, so können Sie sicher sein, dass Sie in der Lage sind, diese auszuhalten. Sie sind bei jedem Eingriff von Ärzten umgeben, die dafür da sind, Ihnen zu helfen.
Seien Sie sicher, dass Sie, wenn Sie den Ablauf der Operation verstanden haben, aufgrund eigener ähnlicher Erfahrungen in der Lage sein werden, dieses Hindernis zu bewältigen. Lassen Sie sich auch nicht entmutigen, wenn Sie sich unmittelbar nach der Operation noch nicht richtig bewegen können. Ihre Begleitung oder das Pflegepersonal wird Ihnen dann gerne behilflich sein. Haben Sie Selbstvertrauen, denn Sie werden es schaffen.
Um die Operation erfolgreich zu bewältigen sollten Sie folgende Ratschläge beachten:
  1. Familienangehörige, Verwandte oder Freunde sollten den Patienten zu den Gesprächen mit dem Arzt begleiten. Sie sollten genau wie der Patient selbst die Umstände der Operation verstehen, um die notwendige Motivation zu erlangen, die der Patient später als Hilfe benötigt.
  2. Lassen Sie Ihre innere Stärke wachsen. Glauben Sie an Ihre eigene Kraft und erreichen Sie Ihr Ziel durch Ihre Fähigkeit, es selbst beeinflussen zu können. Sie lernen dadurch, diese Situation zu bewältigen.
  3. Stärken Sie Ihre Motivation. Gewinnen Sie den richtigen Einblick in Ihre Situation und bewältigen Sie diese an Hand eigener Erfahrungen, die Sie bereits früher selbst gemacht haben. Nutzen Sie Ihre früheren Erfahrungen, um die Ergebnisse schon im Voraus zu beeinflussen.
  4. Erreichen Sie das Ziel „Wiedergenesung“ in kleinen Abschnitten und gehen Sie dann Schritt für Schritt voran. Das bedeutet, dass Sie sich anfangs bis zum Betreten des Operationssaals auf die Vorbereitungen zur Operation konzentrieren sollten. Anschließend müssen Sie die postoperative Phase zügig bewältigen und sich zum Schluss während Ihrer Genesungsphase behutsam auf die vollkommene Wiedererlangung Ihrer Leistungsfähigkeit konzentrieren.
  5. Denken Sie daran, dass nicht alle Schritte, die Sie unternehmen werden, um das oben Erwähnte zu erreichen, von durchschlagendem Erfolg gekennzeichnet sein werden. Ein vernünftiges Ergebnis reicht aus, um Sie zu einem noch besseren Ergebnis beim nächsten Schritt zu motivieren. Wenn es Ihnen nicht gelingt, einen Schritt erfolgreich zu bewältigen, müssen Sie schnell wieder das nötige Selbstvertrauen gewinnen, um den nächsten Schritt erfolgreich tun zu können.
  6. Denken Sie stets daran, dass Ihre Fähigkeit, die Stresssituation der Operation zu überwinden, sowohl Einfluss auf neurobiologische Abläufe innerhalb des Körpers, als auch auf Ihr emotionales Befinden hat und dadurch das Immunsystem des Körpers und infolge dessen natürlich auch den Heilungsprozess beeinflusst. Üben Sie dadurch einen positiven Einfluss auf die Operationsrisiken und auf Ihre eigenen Ängste aus.
  7. Versuchen Sie Ihre Umgebung angenehm zu gestalten. Halten Sie Ihr Zimmer sauber und ordentlich, gehen Sie nach der Operation Ihren Hobbies wie z. B. lesen oder Musik hören nach. Sorgen Sie dafür, dass nach der Operation eine Ihnen vertraute Person, die Sie mögen, bei Ihnen ist und sich um Sie kümmert und Sie unterstützt. Dieser Freund, Verwandte oder Bekannte sollte Sie, wenn möglich, auch zur Operation und anschließend wieder nach Hause begleiten.
  8. Kümmern Sie sich mit großer Sorgfalt um sich selbst. Rasieren Sie sich täglich und pflegen Sie Haar und Körper sorgfältig. Bereiten und servieren Sie sich Ihre Mahlzeiten mal auf andere Weise als gewöhnlich. Tragen Sie komfortable Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen. Verfallen Sie nicht in eine „Dauerlethargie vor dem Fernsehgerät“ in abgedunkelten stillen Räumen. Sie sollten in einem bequemen Sessel sitzen und sich bewusst physisch und psychisch entspannen. Benutzen Sie diese Gelegenheit, um Freunde oder Verwandte anzurufen, mit denen Sie schon länger nicht mehr gesprochen haben. Treffen Sie Verabredungen für die Zeit nach Ihrer Genesung.
Die genaue Kenntnis des Allgemeinzustandes des Patienten vermeidet eine unnötige Narkose, andere Gefahren oder Komplikationen und trägt wesentlich zu einem optimalen Operationsergebnis bei. Störungen des Allgemeinbefindens oder verschiedener Organfunktionen (Leber, Niere, Lunge, Herz) oder des Stoffwechsels müssen vorher erkannt und beseitigt werden, da Anästhesie und Operation nur dann gut vertragen werden, wenn diese Funktionen intakt sind. Auch hängt die anschließende Erholungs- und Heilungsphase wesentlich davon ab.
Ich rate jedem Patienten, sich vorher gründlich von einem Allgemeinmediziner untersuchen zu lassen.
1 Likes
6138 Views

You may also like

Comments are closed.