Beschneidung

Beschneidung
Keine Operation hat mehr Aufmerksamkeit erregt, als die Entfernung der Vorhaut. Zum einen stellt die Operation einen wichtigen Schritt in Richtung Gesundheit dar, zum anderen besteht die Ansicht, dass dem Mann durch diesen Eingriff eine Verletzung zugefügt wird, auf Grund derer er für den gesamten Zeitraum seiner sexuellen Aktivität leiden muss. Auch innerhalb der verschiedenen Religionen gibt es unterschiedliche Ansichten. Wegen der Bedeutung der Operation für die psychologische und körperliche Entwicklung des Mannes wurden von zahlreichen Chirurgen viele unterschiedliche Operationstechniken entwickelt, von denen jeweils behauptet wird, dass sie die besten kosmetischen Ergebnisse erbringen.

Die Vorhaut (Präputium) ist eine doppelschichtige Haut, die die Eichel (Glans) des Penis bedeckt. Sie besteht aus zwei aufeinanderliegenden Hautschichten, der äußeren normal dicken (parietalen) und der inneren (viszeralen) dünneren Schicht. Die viszerale Oberfläche befindet sich in der Tiefe hinter der Eichel (Sulcus coronarius) und geht in die Haut über, die die Eichel bedeckt. Das Präputium ist genauso wie die Penishaut frei beweglich. Die Vorhaut beschreibt um die Eichel herum eine Aussackung. Der vordere innere Teil der Vorhaut ist mit dem unteren Teil der Eichel und der Harnröhrenöffnung verbunden. Auf dem Sulcus Coronarius befinden sich kleine Drüsen, die sogenannten Vorhautdrüsen, die das Smegma produzieren. Unter Smegma versteht man eine flüssigkeitsähnliche Absonderung, die die Vorhaut einfettet. Sie ist dickflüssig und weißlich-gelb. Das Smegma kann sich entzünden und so zu einer akuten oder chronischen Entzündung führen. Besteht ein längerer Kontakt des entzündeten Smegmas mit der Eichel  und kommt es dadurch zu einer chronischen Irritation der Vorhaut und/oder der Eichel, so kann dies zu Veränderungen führen, die die Entstehung von Krebs fördern und dadurch zur Entstehung von Peniskrebs führen können. Man vermutet diesen Zusammenhang, denn diese Art von Krebs tritt vorwiegend in Bevölkerungsgruppen auf, in denen eine Entfernung der Vorhaut nicht erfolgt. Andererseits besteht aber auch die Ansicht, dass die Vorhaut ein ganz natürlicher Teil des Körpers ist, der die Eichel sowohl vor Verletzungen, als auch vor fortwährender sexueller Reizung schützt. Dadurch wird die sexuelle Empfindlichkeit der Eichel aufrecht erhalten. Folglich besteht die Ansicht, dass das Entfernen der Vorhaut zu einer unangenehmen andauernden Stimulation der Eichel führt, bzw. sie der Gefahr einer chronischen Verletzung ausgesetzt wird und darüber hinaus zu einem Sensitivitätsverlust und der daraus resultierenden Minderung der sexuellen Empfindungen führt.
Die Entfernung der Vorhaut (Zirkumzision) erfolgt aus verschiedenen Gründen. Hier wären religiöse (Moslems und Juden), kulturelle (in einigen Gebieten Südasiens), hygienische (USA) oder krankheitsbedingte Gründe zu nennen. Der Hauptgrund zur Durchführung einer Zirkumzision besteht in einer Verengung (Phimose). Sie entsteht als Folge einer Anhäufung von Smegma in der Vorhauttasche und mangelnder Hygiene, die zu einer chronischen Irritation der Vorhaut und nachfolgend zur Bildung von Narbengewebe mit Verengung führt. Die Verengung führt zu Schwierigkeiten beim Zurückziehen der Vorhaut beim Urinieren, bei einer Erektion oder beim Reinigen der Vorhaut. Der Vorgang ist ein Teufelskreis. Im weiteren Verlauf kann es zum Auftreten von Rissen an der Hautoberfläche kommen und nachfolgend zu weiteren Infektionen, bis die Vorhaut so eng ist, dass sie gänzlich nicht mehr verschiebbar ist. Dieses Stadium ist äußerst schmerzhaft und eine Reinigung dann überaus schwierig. Es kann dann zur Entstehung eines Harnweginfekts oder in manchen Fällen auch zur Verengung der Harnröhrenöffnung oder Mitbeeinträchtigung des oberen Harntraktes kommen.

 

Die Behandlung einer engen Vorhaut stellt einen einfachen Eingriff dar. Das Verständnis sowohl der zu Grunde liegenden Pathologie, als auch der Psyche des Patienten stellen zwei wichtige Faktoren dar, die bei der Entscheidung für diesen Eingriff zu berücksichtigen sind. Hierbei sind Fähigkeiten der plastischen Chirurgie von Nöten, weil Form und Aussehen des Organs von Planung und Heilungsverlauf abhängig sind. Trotz vieler verschiedener Techniken gibt es zwei unterschiedliche Verfahren, nämlich die teilweise oder die komplette Entfernung der Vorhaut. Die meisten Zirkumzisionen, die aus kulturellen, ethischen oder religiösen Gründen durchgeführt werden, sind komplette Zirkumzisionen, während andere wegen der genannten Gründe die teilweise Zirkumzision bevorzugen.
Phimose

Die Operation erfolgt ambulant. Der Patient liegt in Rückenlage. Entsprechend Wunsch und Alter des Patienten erfolgt die Anästhesie. Für ältere Patienten ist eine Lokalanästhesie angenehmer, weil dann die Erholungsphase schneller verläuft. Die Maskenbeatmung kann während der frühen postoperativen Phase zu Halsschmerzen führen. Bei Maskenbeatmung werden die Augen mit antibiotischer Salbe geschützt. Anschließend wird das Operationsgebiet rasiert und umfassend desinfiziert. Es ist wichtig, einen mit Desinfektionsmittel durchtränkten Tupfer in den engen Vorhautbeutel einzulegen, um diesen zu desinfizieren und von Smegma zu reinigen. Dann wird die Vorhaut genau untersucht, denn sie unterscheidet sich von Mensch zu Mensch erheblich. Ich schneide die Haut nur mit einem Skalpell, denn dies ist die einzige Möglichkeit, einen sauberen Schnitt zu erzielen, der für das spätere kosmetische Erscheinungsbild von entscheidender Bedeutung ist. Aus diesem Grund führe ich auch die sogenannte Insel-Lappen-Abtragung durch, auf Grund derer im betreffenden Gebiet weniger manipuliert werden muss und dadurch eine postoperative Schwellung vermindert wird. Mit Hilfe zweier kleiner selbsthaltenden Zangen werden zwei Ecken der Vorhaut fixiert und so ein vorsichtiger Zug auf die Haut ausgeübt. Dann wird die äußere Haut auf Höhe des äußeren Meatus, bzw. einige wenige Millimeter oberhalb (proximal) durchtrennt. Dann wird die Haut nach außen auf den Penisschaft gedreht und ca. 3-4 mm unterhalb des Schaftes mit dem Skalpell durchtrennt, wobei darauf geachtet wird, dass die Weite des viszeralen Teils um den Penis herum konstant bleibt. Die stark blutende Frenulumarterie wird währenddessen mit einer selbstschließenden Klammer abgeklemmt. Der entstehende Hautstreifen wird dann mit einer Schere ventral durchschnitten und mit vier selbsthaltenden Klammern festgehalten. Anschließend wird die Hautinsel mit einer Schere frei präpariert, um dann abgeschnitten zu werden. Die Blutgefäße im betroffenen Gebiet werden mittels Hochfrequenz koaguliert. Hierbei muss besonders auf die oberflächlichen Venen des Penis und auf die Frenulumarterie geachtet werden. Es erfolgt anschließend die sorgfältige Koagulation der Blutgefäße unterhalb der Hautränder. Die Haut wird auf symmetrische Weise in 4 Quadranten angepasst, wobei eine Verdrehung der Penishaut vermieden wird. Die Ränder eines jeden Quadranten werden mit feinen Nähten verschlossen und dabei ausgestülpt, um ein Verkleben der Haut, bzw. der Ränder während der Heilungsphase zu vermeiden. Das Frenulum wird mittels einer Matratzendeltanaht, die zur Blutstillung der Frenulumarterie dient, fixiert. Dann wird die Harnröhrenöffnung gesäubert und von Blutresten befreit. Anschließend wird jodhaltige Salbe auf die Hautränder aufgetragen. Zum Abschluss wird die Wunde mit einem relativ festen Verband versorgt, der nach ca. 2 Stunden, wenn der Patient das erste Mal nach der Operation uriniert, erneuert wird.
Im Fall der partiellen Zirkumzision oder wenn der Patient soviel wie möglich seiner Vorhaut erhalten will, bestimme ich den pathologischen Bereich, sofern dies möglich ist, beim erstmaligen Umstülpen der Vorhaut. Sollte dies nicht möglich sein, dann werden die Ränder der Vorhautöffnung mit zwei kleinen selbsthaltenden Klammern ohne einen Zug auszuüben festgehalten. Anschließend erfolgt ca. 1-2 mm oberhalb der pathologisch veränderten Ränder ein Schnitt. Wenn das Zurückziehen der Haut möglich ist, wird eine Hautinsel in einer Entfernung von ca. 1-2 mm vom pathologisch veränderten Bereich der viszeralen Hautoberfläche wie oben beschrieben entnommen. Anschließend werden die Blutgefäße im betroffenen Gebiet mittels Hochfrequenz koaguliert, wobei besonders auf die oberflächlichen Venen des Penis und auf die Frenulum Arterie geachtet werden muss. Dann werden die Hautränder umgestülpt und 2-4 Einschnitte an den Seiten gemacht, um die Hautquadranten zu bestimmen. Diese erfolgen sozusagen im Bereich von 12, 3, 6 und 9 Uhr. Dann werden die überflüssigen Hautecken moduliert. Anschließend werden die Quadranten wie vorher beschrieben verschlossen und die Operation dann wie gewohnt beendet. In diesen Fällen erfolgen weitere Einschnitte mit dem Ziel, die Vorhaut zu verlängern nur selten, da die Gefahr besteht, dass es postoperativ zu Narbenbildungen im Bereich des Penis kommt. Nach dem Eingriff verordne ich gewöhnlich ein Medikament gegen die Schwellung und Tropfen gegen die Schmerzen. Einen Tag nach der Operation werden die Patienten in meine Praxis zum Verbandswechsel und zur Kontrolle nach möglichen Blutungen einbestellt
Die Heilung ist nach ca. einer Woche abgeschlossen. Gewöhnlich kommt es nachts zu geringen Erektionen, die aber weder Schmerzen verursachen, noch die Wundheilung stören. Der Patient sollte seinen Penis über einen Zeitraum von einer Woche zwei mal täglich 15 Minuten in Kamillenbad baden. Ca. eine Woche nach der Operation sucht mich der Patient zu einem Abschlussbesuch auf. Hier wird dann der Heilungsverlauf dokumentiert und der Patient bzgl. seiner zukünftigen sexuellen Aktivitäten beraten
Häufige Fragen (FAQ):
Sie ist eine rudimentäre doppelschichtige Haut, die die Eichel umhüllt, um sie vermutlich vor unerwünschter Stimulation zu schützen. Diese Behauptung existiert schon sehr lange, wurde aber nie wissenschaftlich nachgewiesen.
Nein. Es leben Millionen von Männern ohne Vorhaut und ohne besondere Gefahren oder Nachteile. Männer im Nahen Osten genießen den Ruf sehr potent zu sein, trotz der fehlenden Vorhaut.
Es funktioniert ähnlich wie ein Schmiermittel, hat aber für den Penis an sich keine besondere Funktion. Wenn es sich entzündet, verursacht es eine chronische Irritation die zur Verengung der Vorhaut führt, im schlimmsten Fall zur Krebsentwicklung.
Die sexuelle Empfindung bleibt unbeeinträchtigt. Die unbedeckte Eichel ist anfangs sehr empfindlich, diese Empfindlichkeit verliert sich aber mit der Zeit.
Normalerweise nicht. Wenn die Partnerin die Gründe und die Vorteile der Beschneidung kennt, wird sie sehr verständnisvoll sein. Umfragen haben ergeben, dass ein beschnittener Penis bei den Frauen einen besseren optischen Wert hat.
Ja, nach medizinischen Untersuchungen bietet eine Beschneidung eine Vorbeugung gegen mögliche Infektionen, die Männer sowie Frauen befallen können. Einige solcher Infektionen stehen in Verdacht, auch Krebs zu verursachen.
Niemals. Die genannten Symptome könnten eine Hypospadie andeuten, in diesem Fall ist es sehr wichtig die gesamte Vorhaut zu erhalten, um notfalls eventuell entstandene Lücken an der Penishaut zu decken. Die Vorhaut dient sozusagen als Penishaut-Vorrat.
Eine Phimose wird besser sofort behandelt. Die enge Vorhaut stellt ein großes Potential für Entzündungen dar, vor allem an der oberen Harnröhre; sie muss möglichst schnell entfernt werden. Gesellschaftlich gesehen, ist es besser, die Jungen im Alter von 3 bis 4 Jahren beschneiden zu lassen, noch bevor sie zur Schule gehen. Jungs erleben eine soziale Entwicklungsphase in der sie untereinander ihre Genitalien vergleichen. Eine plötzliche Veränderung am Penis könnte für einen Jungen so peinlich sein, dass sie ihn unter eine große Belastung stellt.
Die Operation ist an sich eine einfache Prozedur, doch ist es sehr gefährlich, sie von einem Nichtexperten durchführen zu lassen. Das ist häufig bei einer Ritual-Beschneidung der Fall. Bei Fehlbeschneidungen besteht die Gefahr, dass der Mann bzw. Junge sein Leben lang einen missgestalteten Penis hat.
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